PLMA Amsterdam 2026: Handelsmarke wird funktional, mutiger und klarer

Die PLMA in Amsterdam ist für mich jedes Jahr ein guter Realitätscheck: Welche Trends schaffen es aus der Innovationsblase wirklich in Richtung Handel? Welche Themen werden nicht mehr nur auf Konferenzen diskutiert, sondern konkret in Produkte, Sortimente und Regalstrategien übersetzt?

Die diesjährige PLMA „World of Private Label“ fand am 19. und 20. Mai 2026 im RAI Amsterdam statt und brachte mehr als 3.200 ausstellende Unternehmen aus über 75 Ländern zusammen. Damit war sie erneut einer der zentralen Treffpunkte für Handelsmarken, Hersteller und Einkäufer in Europa.

Mein Eindruck: Die Handelsmarke ist längst nicht mehr nur die günstigere Alternative zur Marke. Sie wird strategischer, eigenständiger und in vielen Kategorien auch innovativer.

Functional Food kommt in der Handelsmarke an

Einer der deutlichsten Trends war für mich der wachsende Fokus auf funktionale Lebensmittel. Was vor einigen Jahren noch stark von spezialisierten Marken oder Start-ups getrieben wurde, wird nun zunehmend von Händlern aufgegriffen.

Protein, Ballaststoffe, Energie, Fokus, Darmgesundheit, Longevity, Better-for-you – viele dieser Themen finden ihren Weg in Eigenmarkenprodukte. Besonders spannend fand ich, dass Händler nicht nur bestehende Sortimente mit funktionalen Claims ergänzen, sondern teilweise eigene neue Handelsmarkenwelten rund um Protein und Functional Food aufbauen.

Das zeigt: Funktionaler Mehrwert wird nicht mehr als Nische betrachtet, sondern als relevanter Differenzierungsfaktor im Regal. Für den Handel ist das logisch. Eigenmarken können hier sehr schnell auf Konsumententrends reagieren, Preispunkte besetzen und gleichzeitig eine hohe Sortimentskontrolle behalten.

Neue Geschmackskombinationen: süß, salzig, überraschend

Ein weiterer auffälliger Trend waren mutigere Flavour-Kombinationen. Besonders häufig begegnet sind mir Produkte, die süße und salzige Geschmacksrichtungen kombinieren – etwa Honig mit Knoblauch oder ähnliche Paarungen, die bewusst mit Kontrasten spielen.

Diese Entwicklung passt gut zu einem Markt, in dem viele klassische Kategorien sehr ausdifferenziert sind. Innovation entsteht dann nicht immer durch komplett neue Produktformen, sondern häufig durch neue sensorische Anlässe: ein bekanntes Produkt, aber mit einem überraschenden Twist.

Für Handelsmarken ist das attraktiv, weil solche Innovationen relativ schnell testbar sind. Sie schaffen Aufmerksamkeit am Regal, ohne zwingend komplexe neue Lieferketten oder Technologien vorauszusetzen.

Purism: so clean wie möglich

Neben funktionalem Mehrwert und mutigen Geschmacksprofilen war auch ein gegenläufiger Trend sehr präsent: Purismus.

Viele Produkte versuchen, möglichst klar, reduziert und „clean“ zu sein. Single Ingredient, kurze Zutatenlisten, keine unnötigen Zusätze, klare Herkunft, einfache Verarbeitung. In vielen Gesprächen wurde deutlich, dass „Clean Label“ nicht mehr nur ein Marketingbegriff ist, sondern zunehmend auch eine Erwartungshaltung von Konsumenten.

Interessant ist dabei der Spannungsbogen: Auf der einen Seite wächst der Wunsch nach Produkten mit Zusatznutzen. Auf der anderen Seite steigt die Skepsis gegenüber zu komplexen Rezepturen. Die Herausforderung wird also sein, funktionale Produkte zu entwickeln, die nicht überformuliert wirken. Wer Funktionalität mit Einfachheit verbinden kann, wird im Handel gute Chancen haben.

Hybrid als pragmatischer Ansatz

Auch Hybridprodukte spielten in vielen Gesprächen eine Rolle. Gemeint sind Produkte, die verschiedene Welten verbinden: pflanzlich und tierisch, Genuss und Gesundheit, Convenience und bessere Nährwerte, klassische Kategorien und neue Inhaltsstoffe.

Gerade im Kontext alternativer Proteine ist dieser Ansatz spannend. Hybrid kann ein Weg sein, Konsumenten niedrigschwelliger mitzunehmen, statt sie vor eine Entweder-oder-Entscheidung zu stellen. Für den Handel kann das besonders relevant sein, weil Hybridprodukte oft näher am Mainstream positioniert werden können als radikal neue Alternativen.

Aus Investorensicht ist das ein wichtiger Punkt: Nicht jede erfolgreiche Food-Innovation muss maximal disruptiv auftreten. Manchmal liegt die Stärke gerade darin, bestehende Konsumgewohnheiten intelligent weiterzuentwickeln.

Gute Stimmung bei den Ausstellern

In den Gesprächen mit Ausstellern war die Stimmung insgesamt positiv. Viele waren zufrieden mit der Handelsdichte und der Qualität der Kontakte. Genau das macht die PLMA so relevant: Sie ist keine reine Showbühne für Trends, sondern ein sehr konkreter Ort für Beschaffung, Listungsgespräche und strategische Sortimentsentwicklung.

Für mich war deutlich spürbar, dass Handelsmarkenhersteller heute stärker als Innovationspartner wahrgenommen werden wollen. Es geht nicht mehr nur um Produktionskapazität und Preis, sondern zunehmend um Ideen, Geschwindigkeit, Kategorieverständnis und Differenzierung.

Mein Fazit

Die PLMA 2026 hat für mich gezeigt, wie stark sich Eigenmarken weiterentwickeln. Functional Food, Protein, Clean Label, mutige Flavours und hybride Konzepte sind keine isolierten Trends mehr. Sie werden vom Handel aktiv aufgegriffen und in konkrete Produktwelten übersetzt.

Besonders spannend ist die Gleichzeitigkeit der Entwicklungen: Produkte sollen funktionaler werden, aber gleichzeitig cleaner. Sie sollen auffallen, aber nicht künstlich wirken. Sie sollen neue Bedürfnisse adressieren, aber für den Massenmarkt verständlich bleiben.

Genau darin liegt die große Chance für Handelsmarken. Wer diese Balance beherrscht, kann in den kommenden Jahren nicht nur Marken imitieren, sondern Kategorien aktiv mitgestalten.

Meine Top-Produkte von der PLMA 2026

About the Author

Fabio Ziemßen

Fabio Ziemßen organisiert als Evangelist/Berater des E-Food Blogs deutschlandweit Treffen für Innovatoren und Startups aus dem Lebensmittel Umfeld (German Food Startup Meetups, Next Generation Food Think Tank, Startup Food Market etc.) und setzt sich für eine Vernetzung der internationalen FoodTech Szene ein. Seit August 2021 ist er Partner bei ZINTINUS und unterstützt Food Unternehmen mit Netzwerk, Expertise und Kapital. Von 2015-2016 war Fabio Ziemßen im Beirat der Digitalen Wirtschaft des Landes Nordrhein Westfalen. Seit 2017 ist er Mitgründer des Coworking Spaces Super7000 (www.super7000.de) in Düsseldorf und Gründer von #Foodnext (www.foodnext.de)

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