Proteine der Zukunft – Politisches Frühstück in Berlin

Proteine der Zukunft – Was braucht es dafür in Forschung und Innovation?

Beim gestrigen politischen Frühstück in Berlin stand eine zentrale Zukunftsfrage im Mittelpunkt: Was braucht es, damit Deutschland bei den Proteinen der Zukunft in Forschung und Innovation führend wird?

Bereits um acht Uhr kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Bundestag, Ministerien, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen – gemeinsam mit ProVeg Deutschland und dem Good Food Institute Europe, organisierte der Bundesverband für Alternative Proteinquellen bereits zum fünften Mal das Format in Berlin. Die Diskussionen machten deutlich, dass alternative Proteine nicht nur ein Ernährungstrend sind, sondern ein strategisches Zukunftsfeld für Klima, Wertschöpfung und Ernährungssicherheit.

Den inhaltlichen Auftakt setzte Patrick Buehr von der Rügenwalder Mühle mit der Frage: „Können wir es uns leisten, heute nicht in alternative Proteine zu investieren?“ Er wies darauf hin, dass die öffentliche Debatte sich stark auf Proteine konzentriert, obwohl die eigentliche Ernährungslücke vieler Menschen bei Ballaststoffen liegt – ein klarer Vorteil pflanzlicher Alternativen. Gleichzeitig zeigte sein Beispiel, dass Deutschland wichtige Wertschöpfungsstufen verliert: Mangels Kapazitäten müssen die Sojabohnen seines Unternehmens derzeit in den Niederlanden verarbeitet werden. Ein Standortnachteil, der beseitigt werden muss, wenn Deutschland im globalen Wettbewerb nicht abgehängt werden will.

Dr. Sarah Iweala vom WBAE verdeutlichte den politischen Handlungsdruck. Der Wissenschaftliche Beirat identifiziert Defizite entlang der gesamten Innovationskette – von der Grundlagenforschung über die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie bis hin zur wirtschaftlichen Skalierung. Für ein starkes Innovationssystem brauche es langfristige Zielbilder, mehr öffentlich geförderte Forschung und bessere Rahmenbedingungen für vorwettbewerbliche Zusammenarbeit. Gerade öffentliche Investitionen seien entscheidend, weil sie sektorweite Herausforderungen effizient adressieren können.

Wie erfolgreiche Innovationssysteme funktionieren, zeigte Dr. Stacy Pyett von der Wageningen University & Research, die in den Niederlanden politische Entscheidungsträger, Branchenvertreter, Forschende und Zivilgesellschaft gezielt miteinander vernetzt. Ihr Beispiel verdeutlichte, dass Innovationscluster nur funktionieren, wenn jemand die Rolle des aktiven Vernetzers übernimmt, der Wissen, Erfahrungen und Ziele zusammenführt.

Anschließend gaben Eileen Pauels und Rick Fischer vom Good Food Institute Europe einen Überblick über die europäische Forschungslandschaft. Zwar wächst die Forschung zu alternativen Proteinen dynamisch, doch Deutschland verliert trotz seines starken wissenschaftlichen Know-hows zunehmend an Boden. Der Grund: Es fehlt an strategischen, langfristigen Investitionen, und der Förderfokus liegt noch zu stark auf rein pflanzlichen Ansätzen. Länder wie Dänemark, Großbritannien und die Niederlande investieren hingegen breiter und gezielter – unter anderem in Biomassefermentation, Präzisionsfermentation, hybride Produkte und kultiviertes Fleisch. Ihr Fazit war eindeutig: Deutschland braucht klar definierte Prioritäten und ein koordiniertes Fördersystem, um seine Innovationspotenziale zu nutzen und international wettbewerbsfähig zu bleiben.

Übergreifend wurde im Laufe des Morgens klar, dass eine nationale Proteinstrategie ein entscheidender Hebel sein könnte. Sie würde Zuständigkeiten klären, Meilensteine setzen und Fördermittel bündeln, um Wertschöpfungsketten in Deutschland zu stärken und neue Technologien schneller in den Markt zu bringen. Die Potenziale alternativer Proteine – ökologisch, ökonomisch und ernährungspolitisch – sind groß. Doch sie lassen sich nur heben, wenn das Innovationssystem frühzeitig und gezielt gestärkt wird.

Das politische Frühstück zeigte eindrucksvoll, dass Deutschland die Voraussetzungen für eine führende Rolle im Bereich alternativer Proteine besitzt – aber auch, dass jetzt entschlossen gehandelt werden muss. Unser Dank gilt Dr. Stacy Pyett, Claudia Hauschild und Patrick Buehr, Dr. Sarah Iweala, Eileen Pauels und Rick Fischer sowie allen Teilnehmenden, die sich für die Diversifizierung unseres Proteinangebots engagieren. Für mehr Auswahl am gemeinsamen Tisch – heute und in Zukunft.

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Fabio Ziemßen

Fabio Ziemßen organisiert als Evangelist/Berater des E-Food Blogs deutschlandweit Treffen für Innovatoren und Startups aus dem Lebensmittel Umfeld (German Food Startup Meetups, Next Generation Food Think Tank, Startup Food Market etc.) und setzt sich für eine Vernetzung der internationalen FoodTech Szene ein. Seit August 2021 ist er Partner bei ZINTINUS und unterstützt Food Unternehmen mit Netzwerk, Expertise und Kapital. Von 2015-2016 war Fabio Ziemßen im Beirat der Digitalen Wirtschaft des Landes Nordrhein Westfalen. Seit 2017 ist er Mitgründer des Coworking Spaces Super7000 (www.super7000.de) in Düsseldorf und Gründer von #Foodnext (www.foodnext.de)

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