Plant-based 2.0 – Wie sich Konsumkulturen zwischen den USA und Europa unterscheiden

„In den USA wird Plant-based für Konsumanlässe entwickelt.“
Diese Beobachtung habe ich bei einer Reihe von Supermarktbesuchen in den USA gemacht – von Costco Wholesale bis Whole Foods Market. Pflanzliche Alternativen werden dort ganz gezielt auf bestimmte Konsumsituationen ausgerichtet: vom BBQ im Garten über den Protein-Snack nach dem Workout bis zum To-Go-Breakfast für den Pendelalltag.

Das zeigt, wie stark Lifestyle-, Convenience- und Occasion-Marketing die Produktstrategien prägen. Plant-based ist dort nicht nur ein Produktsegment – es ist ein Lebensgefühl, verknüpft mit Marke, Moment und Nutzenversprechen.

Europa denkt Plant-based anders

In Europa – und insbesondere in Deutschland – beobachten wir bei ZINTINUS und im Austausch mit unseren Mitgliedern im Bundesverband für Alternative Proteinquellen e.V. (Balpro) jedoch einen deutlich anderen Entwicklungsansatz.

Hier steht nicht der einmalige Konsummoment im Vordergrund, sondern die Integration pflanzlicher Produkte in den Alltag. Erfolgreiche Marken entwickeln Lösungen, die sich nahtlos in bestehende Essgewohnheiten einfügen – vom Frühstücksaufstrich über die Kochzutat bis hin zum Familienessen.

Drei Aspekte sind dabei entscheidend:

  1. Alltagsintegration statt Occasion Thinking
    Pflanzliche Produkte werden zunehmend als Standardbestandteil der täglichen Ernährung verstanden, nicht als Ausnahme oder Ersatz.

  2. Kulinarische Vielfalt & regionale Geschmäcker
    Käse ist nicht gleich Käse – und Wurst nicht gleich Aufschnitt. Die Erwartungshaltungen an Textur, Geschmack und Anwendung variieren stark von Land zu Land, oft sogar regional. Erfolgreiche Unternehmen entwickeln daher differenzierte Portfolios für lokale Märkte.

  3. Nachhaltigkeit & Qualität als Basis, nicht als Bonus
    Transparenz, regionale Wertschöpfung, kurze Lieferketten und ernährungsphysiologische Vorteile sind zentrale Differenzierungsmerkmale. Nachhaltigkeit ist kein Verkaufsargument mehr, sondern eine Grundvoraussetzung.

Was das für Investoren bedeutet

Für uns als VC-Investoren bei ZINTINUS ist genau diese Markt- und Kulturvielfalt entscheidend. Erfolgreiche Start-ups denken nicht global uniform, sondern glokal – also global inspiriert, lokal relevant.

Während US-Marken häufig über Convenience und Markenemotion skalieren, schaffen es europäische Player, durch Authentizität, Qualität und regionale Verankerung langfristiges Vertrauen aufzubauen.

Diese Anpassungsfähigkeit ist ein wesentlicher Treiber dafür, dass die europäische FoodTech-Szene – insbesondere im Bereich alternativer Proteine – derzeit eine besonders dynamische Entwicklung erlebt.

Die Zukunft pflanzlicher Ernährung liegt nicht allein im Trend, sondern in ihrer Relevanz für den Alltag.
Ob in den USA oder Europa – entscheidend ist, wie gut Marken es schaffen, sich in Lebensstile, Geschmäcker und Gewohnheiten einzufügen.

Und genau hier zeigt sich die Stärke der europäischen FoodTech-Landschaft: Sie kombiniert wissenschaftliche Tiefe, kulinarische Kompetenz und kulturelle Nähe – ein Fundament, auf dem nachhaltige Innovationen entstehen, die bleiben.

About the Author

Fabio Ziemßen

Fabio Ziemßen organisiert als Evangelist/Berater des E-Food Blogs deutschlandweit Treffen für Innovatoren und Startups aus dem Lebensmittel Umfeld (German Food Startup Meetups, Next Generation Food Think Tank, Startup Food Market etc.) und setzt sich für eine Vernetzung der internationalen FoodTech Szene ein. Seit August 2021 ist er Partner bei ZINTINUS und unterstützt Food Unternehmen mit Netzwerk, Expertise und Kapital. Von 2015-2016 war Fabio Ziemßen im Beirat der Digitalen Wirtschaft des Landes Nordrhein Westfalen. Seit 2017 ist er Mitgründer des Coworking Spaces Super7000 (www.super7000.de) in Düsseldorf und Gründer von #Foodnext (www.foodnext.de)

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