
Growth Investor Mindset: Mein Gespräch im Investment Climate Podcast
In der aktuellen Folge des Investment Climate Podcast durfte ich mit dem Host über ein Thema sprechen, das mich in meiner Arbeit bei ZINTINUS täglich begleitet: Wie bewertet man FoodTech-Unternehmen nicht nur nach ihrer Vision, sondern nach ihrer tatsächlichen Skalierungsfähigkeit?
Die Folge trägt den Titel:
„Episode 91: Zintinus: Fabio Ziemssen on the Growth Investor Mindset and the B2B vs. B2C Scale-Up Playbook“
Im Zentrum des Gesprächs stand die Perspektive eines Growth-Investors auf ein FoodTech-Ökosystem, das in den letzten Jahren deutlich erwachsener geworden ist. Nach einer Phase, in der viele Unternehmen vor allem über Technologie, Purpose und Marktpotenzial finanziert wurden, rücken heute ganz andere Fragen in den Vordergrund: Gibt es echte kommerzielle Traktion? Funktionieren die Unit Economics? Wie stabil ist die Nachfrage? Und kann ein Unternehmen nicht nur ein gutes Produkt bauen, sondern auch ein skalierbares Geschäftsmodell?
Was Growth Investing im FoodTech heute bedeutet
Bei ZINTINUS investieren wir als europäischer FoodTech-Fonds gezielt in Unternehmen, die bereits über die reine Labor- oder Konzeptphase hinausgewachsen sind. Unser Fokus liegt auf Series-A- und Series-B-Runden, typischerweise mit Tickets zwischen 2 und 5 Millionen Euro.
Dabei schauen wir sehr genau darauf, ob ein Unternehmen bereits bewiesen hat, dass es im Markt funktioniert. FoodTech bleibt ein enorm relevantes Investitionsfeld, aber die Anforderungen an Gründerinnen und Gründer haben sich verändert. Es reicht nicht mehr, nur eine spannende Technologie oder ein starkes Narrativ zu haben. Entscheidend ist, ob daraus ein belastbares, kommerziell skalierbares Geschäftsmodell entstehen kann.
Im Podcast haben wir daher intensiv über die Frage gesprochen, welche Kennzahlen für uns als Growth-Investor relevant sind und warum wir zwischen unterschiedlichen Geschäftsmodellen sehr klar differenzieren.
B2B und B2C: Zwei völlig unterschiedliche Scale-up-Logiken
Ein wichtiger Teil des Gesprächs war der Unterschied zwischen B2B- und B2C-Geschäftsmodellen.
Bei B2C-Marken, insbesondere im Handel, schauen wir sehr stark auf Retail Velocity, Wiederkaufsraten, Distribution, Markenstärke, Margenstruktur und die Fähigkeit, sich im Regal nachhaltig zu behaupten. Ein Produkt kann in der ersten Listung viel Aufmerksamkeit erzeugen – entscheidend ist aber, ob es dauerhaft rotiert und ob die Marke in der Lage ist, effizient zu wachsen.
Bei B2B-Modellen, etwa bei Ingredients oder funktionalen Komponenten, sind andere Kriterien entscheidend. Hier geht es stärker um „Stickiness“: Wie tief ist das Produkt in die Wertschöpfungskette des Kunden integriert? Wie hoch sind Switching Costs? Gibt es technische, sensorische oder preisliche Vorteile, die langfristig Bestand haben? Und kann das Unternehmen mit den Anforderungen industrieller Kunden in Bezug auf Qualität, Skalierung, Regulierung und Lieferfähigkeit mithalten?
Diese Differenzierung ist aus meiner Sicht zentral. FoodTech wird häufig zu pauschal diskutiert. Dabei unterscheiden sich die Erfolgslogiken eines B2C-Snacking-Startups, eines B2B-Ingredient-Anbieters, eines Fermentationsunternehmens oder einer Food-Waste-Technologie fundamental.
Unsere Investitionsfelder: Alternative Proteine, Functional Food und Food Waste Reduction
ZINTINUS ist auf die Transformation des Ernährungssystems spezialisiert. Wir investieren in Europa und den USA in vier zentrale Bereiche:
Alternative Proteine, also pflanzenbasierte, fermentationsbasierte oder zellbasierte Lösungen.
Clean Nutrition, etwa funktionale Getränke, Free-from-Produkte oder gesündere Alternativen in bestehenden Kategorien.
Functional Food, darunter personalisierte Ernährung, funktionale Inhaltsstoffe und Novel Ingredients.
Und Food Waste Reduction, also Technologien zur Verlängerung von Haltbarkeit, zur Verwertung von Nebenströmen oder datenbasierte Lösungen gegen Lebensmittelverschwendung.
Was all diese Bereiche verbindet, ist unser Anspruch, in skalierbare Modelle mit starken Unit Economics und messbarem Impact zu investieren. Kapital allein reicht dabei nicht. Für viele Unternehmen ist der Zugang zu Handelsnetzwerken, Industriepartnern, Co-Manufacturing-Strukturen, regulatorischer Expertise und operativer Erfahrung mindestens genauso entscheidend.
Beispiele aus dem Portfolio: NEOH, Planet A Foods und KÄÄPÄ Mushrooms
Im Podcast haben wir auch über konkrete Beispiele aus unserem Portfolio gesprochen.
Ein spannender Fall ist NEOH aus Österreich, ein Unternehmen im Bereich Healthy Snacking, das nicht nur eine Endverbrauchermarke aufgebaut hat, sondern mit seiner Zuckerersatz-Technologie auch ein erhebliches B2B-Potenzial adressiert. Genau solche hybriden Modelle sind besonders interessant, weil sie Marke, Produktkompetenz und Ingredient-Potenzial miteinander verbinden können.
Auch Planet A Foods ist ein gutes Beispiel für die Art von Unternehmen, die eine große Herausforderung im Ernährungssystem adressieren: resilientere, nachhaltigere und skalierbare Alternativen zu bestehenden Rohstoffen. Gerade in Kategorien wie Kakao werden Themen wie Lieferkettenstabilität, Preisvolatilität und Nachhaltigkeit immer relevanter.
Besonders ausführlich haben wir über unsere Investition in KÄÄPÄ Mushrooms gesprochen. Auf den ersten Blick mag das in einem Marktumfeld überraschen, in dem viele Investoren Abstand von Vertical Farming genommen haben. Für uns war aber genau die Differenzierung entscheidend: Es geht hier nicht um niedrigmargige Commodity-Produkte wie Basilikum oder Salate, sondern um funktionale Pilze mit hoher Wertschöpfung, wachsender Nachfrage und klarer Positionierung im Bereich Functional Food und Healthy Aging.
Das Beispiel zeigt gut, dass man Technologien und Produktionsmodelle nicht pauschal bewerten sollte. Vertical Farming ist nicht per se gut oder schlecht. Entscheidend ist, was produziert wird, mit welcher Marge, für welchen Markt und mit welcher Skalierungslogik.
Beziehungen zu Investoren entstehen nicht erst beim Fundraising
Ein Punkt, der mir im Gespräch besonders wichtig war: Für Gründerinnen und Gründer ist es nie zu früh, eine Beziehung zu einem Growth-Investor aufzubauen.
Das heißt nicht, dass ein Investment früh erfolgen muss. Aber es ist sehr wertvoll, wenn Investoren die Entwicklung eines Unternehmens über längere Zeit begleiten können. So entsteht Vertrauen, man versteht die Qualität der Umsetzung besser, und Gründer können frühzeitig ein Gefühl dafür bekommen, welche Meilensteine für eine spätere Wachstumsfinanzierung relevant sind.
Gerade im aktuellen Marktumfeld ist diese Vorbereitung entscheidend. Fundraising ist kein kurzfristiges Ereignis, sondern ein Prozess, der deutlich vor der eigentlichen Finanzierungsrunde beginnt. Wer früh mit relevanten Investoren spricht, kann besser verstehen, welche KPIs, Kundenbeziehungen, Margenprofile und Organisationsstrukturen für die nächste Wachstumsphase erforderlich sind.
FoodTech bleibt attraktiv – aber selektiver
Mein Fazit aus dem Gespräch: FoodTech bleibt ein zentraler Baustein der Transformation unseres Ernährungssystems. Gleichzeitig ist der Markt deutlich selektiver geworden. Das ist nicht negativ – im Gegenteil. Es führt dazu, dass stärkere Geschäftsmodelle, bessere Gründerteams und realistischere Skalierungsstrategien in den Vordergrund rücken.
Die großen Herausforderungen bleiben bestehen: nachhaltigere Proteinquellen, gesündere Ernährung, widerstandsfähigere Lieferketten, weniger Lebensmittelverschwendung und neue funktionale Anwendungen. Aber die Unternehmen, die diese Herausforderungen lösen wollen, müssen heute sehr klar zeigen, wie aus Innovation auch ein belastbares Geschäft wird.
Genau darüber haben wir in der Podcast-Folge gesprochen: über Growth Investing, über die Unterschiede zwischen B2B und B2C, über konkrete Investmententscheidungen und über die Frage, wie Gründerinnen und Gründer den Weg von der ersten Traktion zur echten Skalierung erfolgreich gestalten können.
🎧 Die vollständige Folge gibt es im Investment Climate Podcast, Episode 91:
„Zintinus: Fabio Ziemssen on the Growth Investor Mindset and the B2B vs. B2C Scale-Up Playbook“
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