Smart Protein Summit 2025 – Raus aus der Bubble

Zusammenfassung des Smart Protein Summit 2025

Diese Woche fand in Frankfurt zum vierten Mal das Smart Protein Summit des Bundesverbandes für Alternative Proteinquellen (BALPro e.V.) gemeinsam mit dem Deutschen Fachverlag statt. Meine persönlichen Highlights habe ich hier für Euch zusammengefasst:

1. Marktüberblick und Konsumentenverhalten
Der Vormittag stand im Zeichen einer fundierten Marktbetrachtung und spannender Einblicke in aktuelle Verbrauchertrends. Besonders hervorzuheben war der Vortrag von Robert Kecskes (GfK), der überzeugend darlegte, dass der häufig zitierte „Attitude-Behaviour-Gap“ – also die Diskrepanz zwischen nachhaltiger Einstellung und tatsächlichem Kaufverhalten – in dieser Form nicht existiert. Vielmehr müsse die Branche stärker verstehen, welche Rahmenbedingungen Konsumenten tatsächlich zum Handeln bewegen.

2. Zielgruppen und Milieus
Die heutigen Überzeugungskäufer pflanzenbasierter Produkte stammen laut Marktsegmentierung vor allem aus dem „postmateriellen Sinus-Milieu“, also aus werteorientierten, bildungsnahen, urbanen Gruppen.
Für das künftige Wachstum gilt es jedoch, junge Familien mit kleinen Kindern zu gewinnen – eine Zielgruppe, in der bislang Skepsis und Ernährungsunsicherheit dominieren. Hier sind glaubwürdige, alltagsnahe Argumente und emotionale Kommunikation entscheidend.

3. Das Konzept des „Gemeinsamen Tisches“
Ein zentrales Leitmotiv, das mehrfach aufgegriffen wurde, war die Idee des „gemeinsamen Tisches“, wie sie im Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (unter Leitung von Prof. Achim Spiller) verankert ist.
Dieses Bild steht für einen inklusiven, gesellschaftlichen Dialog über Ernährung, bei dem Genuss, Nachhaltigkeit und Gesundheit nicht als Gegensätze, sondern als gemeinsame Ziele verstanden werden.

4. Gesundheit und Innovationsbereitschaft
Der wissenschaftliche Beirat bestätigt, dass alternative Proteinquellen einen positiven Beitrag zu einer gesunden und nachhaltigen Ernährung leisten können.
Gleichzeitig wurde betont, dass gesellschaftliche Offenheit für technologische Innovationen – etwa bei Fermentation, Zellkultivierung und neuartigen Zutaten – in Deutschland deutlich gestärkt werden muss, um das Potenzial der Transformation zu realisieren.

5. Politische Rahmenbedingungen
Die Bundesregierung plant, im Rahmen der Hightech-Agenda künftig verstärkt den Bereich der kultivierten Fleischproduktion zu fördern. Dies unterstreicht, dass die Thematik von alternativen Proteinen zunehmend als Zukunftsfeld der Biotechnologie und Ernährungssicherheit verstanden wird.

6. Bedarf an einer nationalen Proteinstrategie
Mehrfach wurde die Notwendigkeit einer klaren nationalen Proteinstrategie betont. Diese sollte die Forschungsförderung, regulatorische Rahmenbedingungen, Ausbildung und Wertschöpfungsketten vernetzen – mit dem Ziel, ein nationales Kompetenzzentrum für alternative Proteine zu etablieren.

7. Umgang mit dem UPF-Narrativ
Ein weiterer Schwerpunkt war die Auseinandersetzung mit dem aktuell dominanten Narrativ um „Ultra-Processed Foods (UPFs)”.
Die Branche müsse sich aktiv gegen pauschale Negativdarstellungen wehren und den Unterschied zwischen hochverarbeiteten Junk Foods und funktional verarbeiteten, ernährungsphysiologisch sinnvollen Produkten deutlich machen.

8. Rolle des Handels und der Industrie
Der Handel ist keine Erziehungsanstalt für Konsumenten, wie ein Panel pointiert feststellte.
Nur durch enge Kooperation zwischen Handel, Industrie und Forschung können Produkte entstehen, die den Konsumenten wirklich abholen, in der Praxis funktionieren und das Potenzial zu echten Schnelldrehern haben.

9. Marketing und Markenführung: Die 5 Ps neu denken
Die klassischen 5Ps des Marketings – Product, Price, Place, Promotion und People – sind heute relevanter denn je.
Gleichzeitig wurde appelliert, dass die Branche „raus aus der Bubble“ müsse: Erfolgreiche Kommunikation erfordert zielgruppenübergreifende Narrative, Mainstream-taugliche Markenbotschaften und emotionale Relevanz jenseits von Nachhaltigkeit.

10. Best Practice: Danone
Ein Paradebeispiel dafür, wie Gesundheit als zentrales Kaufargument erfolgreich genutzt werden kann, zeigte Katharina Herzog (Danone).
Danone positioniert pflanzenbasierte Produkte nicht über Nachhaltigkeit, sondern über konkrete Gesundheitsvorteile, was zu höherer Akzeptanz bei Mainstream-Konsumenten führt.

11. Ernährungstrends und gesellschaftliche Verantwortung
Im Vortrag von Herrn Prof. Grönemeyer wurde betont, dass die Gesellschaft zunehmend unter den Folgen ungesunder Ernährung leidet – plakativ formuliert: „Wir essen uns zu Tode.“
Neue Ernährungskonzepte müssen daher gesundheitsfördernde, funktionale Komponenten aus vielfältigen Gemüse- und Pflanzenquellen stärker integrieren und nachweisbare Mehrwerte für Körper und Geist bieten.

About the Author

Fabio Ziemßen

Fabio Ziemßen organisiert als Evangelist/Berater des E-Food Blogs deutschlandweit Treffen für Innovatoren und Startups aus dem Lebensmittel Umfeld (German Food Startup Meetups, Next Generation Food Think Tank, Startup Food Market etc.) und setzt sich für eine Vernetzung der internationalen FoodTech Szene ein. Seit August 2021 ist er Partner bei ZINTINUS und unterstützt Food Unternehmen mit Netzwerk, Expertise und Kapital. Von 2015-2016 war Fabio Ziemßen im Beirat der Digitalen Wirtschaft des Landes Nordrhein Westfalen. Seit 2017 ist er Mitgründer des Coworking Spaces Super7000 (www.super7000.de) in Düsseldorf und Gründer von #Foodnext (www.foodnext.de)

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